Schülerinnen und Schüler als Filmkritiker 1
Schülerinnen und Schüler der Leibnizschule Hannover haben als Besucher des 10.up-and-coming Filmfestivals 2009 zu ausgewählten Filmen eigene Filmkritiken verfasst. „Regenbogenengel“
Der Freitod Robert Enkes sorgte in den vergangenen Tagen und Wochen für Bestürzung, Trauer und Fassungslosigkeit. Mit seiner Tat wurde der Bevölkerung der Schmerz eines Suizids ins Bewusstseins gerufen.
Der Suizid als letzter Ausweg. Auch Anna Kasten stellt das Thema „Selbstmord“ in den Mittelpunkt ihres Kurzfilms „Regenbogenengel“.
Ein kleiner Junge erzählt auf anrührende Art und Weise vom Suizid seines Bruders. „Erst rot, dann blau, dann gelb und dann verschwindet er und taucht an einer anderen Stelle wieder auf.“ Mit diesen Worten beginnt er seine Erzählung, Der Regenbogen als Synonym für Hämatome und Verletzungen seines Bruders. Im Laufe der Erzählung wird zudem deutlich, dass es sich bei seinem großen Bruder Patrick um ein Opfer von Gewalt und Missbrauch handelt. Durch die Geschichte des „Regenbogenengels“ versucht dieser dem kleinen Bruder seinen Suizid verständlich zu machen.
Auffällig sind in diesem emotionalen Kurzfilm die Sprünge von Gegenwarts- und Vergangenheitsszenen. Im Verlauf der Handlung wird dem Zuschauer so schrittweise ersichtlich, dass es sich beim Regenbogenengel um einen Selbstmord handelt. Es gelingt Anna Kasten, durch die tolle Besetzung der Hauptfigur, den Zuschauer emotional zu greifen und somit für das Thema Suizid zu sensibilisieren.
Auf der Strecke bleibt allerdings, wie der kleine Bruder auf den Tod Patricks reagiert und ob ihm klar wird, dass es sich bei der Geschichte des Regenbogenengels um eine metaphorische Umschreibung des Freitods handelt.
Insgesamt ist ein kritischer Blick auf die Rolle des Freitods in unserer Leistungsgesellschaft als Intention Kastens zu werten.
Ist der Selbstmord ein Zeichen von Schwäche? Oder gar von Angst? Ist der Selbstmord nicht eine höchst egoistische Handlung? Welche Auswirkung hat das Verhalten der Gesellschaft auf das Seelenleben eines Selbstmordgefährdeten? Dies sind die Fragen die dem Kinobesucher Samstag beim Filmfestival up and coming durch den Kopf schossen.
Gerade die Ereignisse der letzten Wochen um den 96-Star Enke haben diesen Fragen neue Nahrung gegeben und dafür gesorgt, dass es sich beim „Regenbogenengel“ um ein höchst brisantes und aktuelles Thema handelt.
Und so war es gestern Mittag nicht verwunderlich, dass der Publikumspreis des Filmfestivals up and coming an Anna Kasten „Regenbogenengel“ ging.
Andrea Reinke, Leibnizschule Hannover
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Der Kurzfilm "Regenbogenengel" von Anna Kasten erzählt die Geschichte von zwei Brüdern aus Sicht des jüngeren Bruders. Der kleine Bruder erzählt die Geschichte in Form eines Märchens, dem des Regenbogenengels. Er erzählt, dass sein großer Bruder einer dieser Regenbogenengel ist, dies kann man daran erkennen, dass er eine bunte Haut hat, welche die verschiedenen Farben des Regenbogens durchläuft, bis die bunten Flecken verschwinden und sich der Engel von der Welt verabschiedet. Wie man im Laufe des Films erkennen kann, hat der große Bruder dem kleinen dieses Märchen erzählt, um vor ihm die grausame Wahrheit zu verbergen. Während der kleine Bruder das Märchen erzählt, sieht man immer wieder Sequenzen aus dem Leben des großen Bruders, in denen er von einer Jugendbande verfolgt oder zusammengeschlagen wird. Dementsprechend ist die bunte Engelshaut in der Realität das Überbleibsel von diesen Gewalttaten. Am Ende des Films erzählt der kleine Bruder, dass sich die Regenbogenengel von einem hohen Ort stürzen müssen, damit sich ihre Flügel ausklappen können. Währenddessen sieht man den großen Bruder durch die Straßen rennen, bis er ein Wohnhaus betritt und sich zum Fenster einer Wohnung in einer hohen Etage begibt. Zielstrebig öffnet er dies, klettert auf das Fensterbrett, wartet noch ein wenig und stürzt sich dann in die Tiefe.
Der Film endet damit, dass man den kleinen Bruder mit dem Fahrrad durch die Straßen fahren sieht, bis er eine kleine Menschentraube vor einem Wohnhaus entdeckt. Dort tritt er an den Schauplatz heran und das Bild friert ein.
Auffällig positiv fallen einem die schauspielerischen Leistungen auf, die, trotz mangelnder Erfahrung der Schauspieler, deutlich heraus stechen. Beide Brüder sind sehr authentisch dargestellt worden, was natürlich auch daran liegt, dass die Erscheinung der beiden Schauspieler perfekt auf die jeweilige Rolle passt. Wie Anna Kasten bei einem Interview nach dem Film selbst sagte, sind ihr die Schauspieler sofort aufgefallen und sie wusste, dass diese beiden genau für die Rollen gemacht sind.
Des weiteren fällt einem die Machart des Filmes positiv auf. Die Überschneidung von den Erzählungen des kleinen Bruders und den Sequenzen des großen Bruders unterstreichen das Ambiente und die Tragik des Films und allgemein des Themas.
Gelegentliche Stille und passende Musik tragen hierzu ebenfalls ihren Teil bei, sodass das Gesamtbild und die Atmosphäre gut präsentiert sind. Dies zieht sich durch die gesamten sieben Minuten Laufzeit des Films hindurch, sodass keine Szene besonders negativ heraus stechen würde und man den Eindruck einer durchaus professionellen Arbeit erhält.
Ein weiterer Punkt, der positiv auffällt, ist die Behandlung des Themas Suizid. Besonders vor diesem Hintergrund und nach der Information am Ende des Films, dass Suizid die zweit häufigste Todesursache unter Kindern und Jugendlichen ist, kann man sich anschließend an den Film noch darüber hinaus mit dem Thema beschäftigen. Außerdem macht die gesamte Arbeit, besonders in Verbindung mit dem up-and-coming Festival, auf die Problematik aufmerksam, was ebenfalls einen positiven Aspekt darstellt und auch durchaus die Intention Kastens für dieses Projekt war bzw. ist.
Negative Aspekte sind in diesem Kurzfilm schwer zu finden, was aber auch eben an der Kürze liegen kann. In einem sieben minütigen Film, der aus aufwendiger Arbeit entstand, insbesondere wenn man die Zahl der Mitwirkenden betrachtet, sollten auch keine groben Fehler auftauchen, so wie man es hier sehen kann.
Dennoch kann man auch die Kürze des Films als seine größte Schwäche betrachten. Durch einen etwas ausführlicheren Einblick in das Leben der Brüder oder die Hintergründe des Suizids hätte man sicherlich noch etwas mehr Eindruck und Wirkung bei den Zuschauern bewirken können.
Meine persönliche Meinung zu diesem Film ist eine positive. Die Arbeit Kastens, der Schauspieler und des Teams hat mich überzeugt. Das Ziel, auf das Thema Suizid unter Jugendlichen hinzuweisen, ist klar erreicht worden und darüber hinaus ist ein professioneller und beeindruckender Kurzfilm entstanden. Gerade im Vergleich zu anderen Filmen des up-and-coming Festivals hinterlässt Regenbogenengel ein positives Bild in den Gedanken der Zuschauer. Lediglich die leichte Kürze des Films ist negativ aufgefallen, doch dies wird durch die restliche Darstellung schnell in den Hintergrund gerückt. Das Zusammenspiel von Bild und Ton, sowie von Regie und Besetzung ist vorbildlich in diesem Kurzfilm. Hiervon könnten sich meiner Meinung nach selbst größere Produktionen eine Scheibe abschneiden.
Manuel Zürn, Leibnizschule Hannover

